Rasuren mit einem Rasiermesser stellen die ursprünglichste Art der Rasur dar. So wie die Messer in der heutigen Form noch existieren, gibt es sie schon seit Jahrhunderten. Im Moment gibt es eine Art Rückbesinnung auf die Messerrasur. Ich hoffe es ist nicht nur eine Mode.
Zur Messerrasur gehört der Respekt vor dem Messer. Man darf niemals vergessen wie scharf dieses Werkzeug ist. Geht man zu sorglos damit um, bekommt man Narben oder es fehlen gar optisch wichtige Teile, wie eine Nasenspitze. Ein Rasiermesser ist ungleich empfindlicher als ein Hobel. Fällt es im Bad auf die Fliesen, ist meist mindestens der Griff kaputt. Mit mehr Pech, fällt es auf die Klinge, die dann oft zerbricht. Ein Messer braucht zudem mehr Pflege als ein Hobel. Im Gegensatz zum oft vernickelten oder verchromten Hobel, ist das Messer mit der meist nicht rostfreien Klinge, der Feuchtigkeit eines Badezimmers ausgesetzt. Daher sollte man es, wenn möglich, nach der Benutzung woanders und trocken lagern. Auf jeden Fall sollte man es vorsichtig trocken reiben, ohne die Schneide zu berühren, z. B. mit einem Mikrofasertuch. Bleibt Feuchtigkeit auf der Klinge, bildet sich unweigerlich Rost. Eigentlich ein kosmetisches Problem. Er kann aber auf der Schneide zur Zerstörung des Messers führen. Man bedenke, daß die Klinge dort dünner als Papier ist und der Rost sich sehr schnell durchfressen kann. Deshalb wird oft empfohlen die Klinge einzuölen. Bei mir hat sich Silikonöl bewährt wie man es in Sprühdosen im Handel erhält, das ich hiermit empfehlen möchte. Ein hauchdünner Film reicht auf der Klinge. Man sollte sich nicht unbedingt auf "rostfreie" Messer verlassen. Diese haben einen eher geringen Chrom-Anteil, der die Klinge rostträge oder rostarm macht, aber nicht ganz rostfrei. Die Bezeichnung "Rostfrei" ist hier irreführend. Die Pflege brauchen daher auch diese Klingen. Der mikroskopisch feine Schneidgrat auf der Schneide ist sehr sehr empfindlich, er sollte nichts anderes schneiden als Ihr Barthaar. Trotz dem man ihn abledert, sollte man ihm eine tägliche Ruhepause gönnen. Er richtet sich dann von selber wieder auf und "erholt" sich so. Daher sollte man es nicht bei einem Messer belassen, sondern sich mindestens zwei davon zulegen. Die Messer können so auch jeweils genügend durchtrocknen.
Hier eine kleine Erklärung zum Aufbau des Messers:

Die Zeichnung entnahm ich dem Rasorshop .
Wichtig beim Messer ist der Schliff der Klinge. Es gibt Klingen die im Profil fast Keilförmig geschliffen sind, sogenannte "derbe" Messer. Und es gibt den Hohlschliff in mehr oder weniger ausgeprägter Form:

Ein Vollhohler Schliff.
Viertelhohl.
Derber Schliff.
Eine in einen Rahmen eingetriebene, manchmal auswechselbare, Klinge. Ein Sonderfall, der mit den anderen Schliffarten nichts zu tun hat.
Hier zwei Messer mit solchen eingetriebenen Klingen. Das dritte hat eine auswechselbare Klinge. Diese Messer waren vor allem in Frankreich sehr beliebt und werden Framebacks (Rahmenrücken) genannt:

Hier einmal verschiedene Kopfformen. Ein französischer, zwei Rundkopf und ein spanischer Kopf (Von oben):

Hier ein Geradkopf an einem Reise-Messer:
Hier ein Geradkopf (Oben)und ein spanischer Kopf (Mitte), an zwei sehr breiten (8/8 Zoll) Henckels Friodur in Edelstahl, sowie eine Mischung aus französischem und Geradkopf an einem noch breiteren KRAUSS in Carbonstahl. Man sieht auch schön den "Kullenrücken" am mittleren Friodur-Messer:

Ein anderes wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Breite der Klinge. Sie wird in Zoll-Bruchteilen benannt, wobei ein Zoll, also 8/8 Zoll, wohl einmal die größte Breite darstellen sollte. Das sind knapp über 2,5cm. Am gebräuchlichsten sind Messer zwischen 4/8 und 6/8 Zoll. Alles darüber und darunter sind eher Sondergrößen, denn durch die geringere oder größere Breite, haben sie ein besonderes Handling. Das liegt nicht jedermann. Die heute meistbenutzte Größe, liegt bei 5/8 Zoll und stellt für viele Anwender einen guten Kompromiß dar.
Hier einmal ein normales 5/8 Messer DOVO - Prima Klang(oben), im Vergleich zum mächtigen über 8/8 (knapp 2,6cm) breiten KRAUSS:

Es gibt auch noch die so genannten Meat Chopper. Grobe und extrem schwere Messer die eher an Küchenbeile erinnern. Daher die Bezeichnung. Sie bewegen sich quasi außerhalb jeglicher Norm. Verwendet wurden sie hauptsächlich in den USA. Die Klingen stammen in der Regel aus Sheffield und dann oft von W&B (Wade&Butcher). Meat Chopper haben kaum hohle, oft derbe, Klingen. Sie sind manchmal nicht einfach zu schärfen, weil die Rücken nicht immer plan aufliegen und sich diese Unebenheiten dann auf die Schneide übertragen können. Der Umgang mit ihnen ist gar nicht jedermanns Sache, denn sie zählen zum schwersten, mit dem man sich im Gesicht herumwedeln kann. Vorsicht also.
Hier ein paar Abbildungen von Meat Choppern:



Ein weiteres Merkmal sind die zwei hauptsächlich verwendeten Stahlsorten. Der nicht rostfreie Kohlenstoffstahl (auch Carbonstahl genannt) und der "rostfreie" Chromstahl. Der rostende Stahl soll schneller zu schärfen und schärfer sein, während der Chromstahl schwerer zu schärfen, aber schnitthaltiger sein soll. Die meistverkauften Rasiermesser bestehen aus dem rostenden Stahl. Wichtig ist hierbei das gründliche trocknen lassen, nach der Rasur! Nicht nur deshalb, sondern auch, weil der Stahl nach der Benutzung ruhen soll damit sich der Schneidgrat erhohlt, empfiehlt sich unbedingt die Verwendung von mindestens zwei Messern im täglichen Wechsel.
Wer sich für den Erwerb und die Benutzung eines Messers interessiert, sollte sich vor Ort, in einem Stahlwaren-, Waffen- oder Messer-Fachgeschäft, beraten lassen und die einzelnen Modelle in die Hand nehmen. Die Messerrasur muß viel eher erlernt werden als eine Hobelrasur. Da ist das richtige Handwerkszeug sehr wichtig. Wer kein entsprechendes Geschäft in der Nähe findet, sollte sehen, daß er evtl. über das Forum einen Ansprechpartner findet, der vielleicht sogar ein Treffen vereinbart. Ein Hobel verzeiht manches, ein Messer nichts. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Noch dazu, sind die wenigsten Messer bei Auslieferung in gebrauchsfertigem Zustand. Sie müssen zumindest abgezogen, manchmal sogar erst eingeschliffen (geschärft) werden. Zum Abziehen benötigt man Anleitung, das Schärfen muß gar erlernt werden. Sonst kann man die Schneide ohne weiteres sofort zerstören. Wer sich ein Messer gebraucht besorgen möchte, kann das ohne weiteres tun. Im Internet gibt es in den Auktionshäusern jede Menge alter Messer. Allerdings ist die Gefahr sehr groß, sich dort unbrauchbare, defekte oder einfach schlechte Messer einzufangen. Auf keinen Fall sollte man sich diese billig angebotenen neuen Messer zulegen. Diese haben fast ausnahmslos sehr sehr schlechte Qualität und sind nicht vernünftig scharf zu bekommen. Leider sind sie recht schön und der Kauf scheint seriös. Vor einem solchen Erwerb sollten Sie in jedem Fall erst einmal im Forum nachfragen. Das kann vor finanziellem Verlust und Ärger bewahren. Zudem lohnt im Forum auch immer die Suche oder Nachfrage nach einem gebrauchten Messer. Hier kann man von guter Ware in rasierfertigem Zustand ausgehen. Dazu bekommt man Anleitung und Unterstützung in vielfältiger Form.
Messer wurden nicht nur in Solingen hergestellt. Eine Zeit lang noch größer und wichtiger, war der Herstellungsort Sheffield in England. In Frankreich gab es sehr sehr gute Hersteller, von denen die Firma "Thiers Issard" noch heute mit die besten Rasiermesser herstellt. In das elsässische "Klingental" wurden damals sogar illegal Solinger Handwerker abgeworben und eingebürgert, die in ihrer Heimat deshalb von der Handwerkerschaft geächtet wurden. Ihnen wurde im Elsass extra ein ganzer Ort erbaut, wobei sie selbst Hand anlegten. Der Grund war, daß Frankreich nicht mehr von der Solinger Blankwaffenproduktion abhängig sein wollte. Verständlich - wer kauft schon gerne seine Waffen beim möglichen Feind? In Schweden gab es einen Herstellungsort namens Eskilstuna, an dem sich allerdings Solinger Handwerker niedergelassen hatten. So wie in den USA, wo es sich meist um aus Solingen und Sheffield ausgewanderte Handwerker handelte.
Solingen und Sheffield waren aber die wichtigsten Orte, die zu ihren Hochzeiten die ganze Welt mit Massen von Klingen belieferten.
www.rasorshop.com
Messerschleifereien.
Kurz noch eine Lösung, die zwischen Hobel und Rasiermesser liegt. Die "Shavette".
Shavetten entsprechen in der Form etwa dem klassischen Rasiermesser, werden aber mit Wegwerfklingen bestückt, ähnlich den Hobelklingen.
Hier ein türkisches Modell, wie man es für sehr wenig Geld bekommt und ein Modell aus Solingen, das aufwendiger verarbeitet und teurer, aber deswegen nicht besser als das türkische Modell ist:

Hier sieht man, daß die Klinge beim Solinger Modell in einen Halterahmen aufgenommen wird: