Der Rasierhobel (anklicken).

Ein amerikanischer Herr namens King Camp Gillette erfand, um die Jahrhundertwende zum 20'ten Jahrhundert, den "Sicherheitsrasierer für zweischneidige, austauschbare Klingen aus Bandstahl". Er hat nicht den Rasierhobel an sich erfunden, wie oft gemeint oder gesagt wird. Er war es auch nicht alleine. Von der Geschichte eher unbeachtet, brachte fast zeitgleich der Besitzer des ROMI-Werkes (ROMI - Robert Middeldorf Solingen) einen ziemlich  ähnlich aussehenden Apparat für fast die gleichen Klingen auf den deutschen Markt und meldete ihn auch zum Patent an. Durchgesetzt hat sich dann freilich der Gillette.

Hier sind einige Gillette abgebildet. Der erste unten links (ca. 1920) entspricht weitgehend dem ersten in Massenherstellung gefertigten Rasierhobel von Gillette:


Der vierte Hobel in gleicher Reihe stellt schon eine technische Weiterentwicklung dar. Es ist ein Gillette-Sheraton (ca. 1937, vergoldet) der das zweite Model mit TTO (Twist To Open) Mechanik war. Diese Hobel wurden im Volksmund schnell Butterfly genannt, weil die Deckel des Kopfes sich wie Schmetterlingsflügel öffnen, wenn man unten dreht:



Der nette Herr auf dem Klingenpäckchen ist übrigens Herr Gillette.
Auch von anderen Herstellern wurden solche "Butterfly" Hobel hergestellt. Sie sehen unten, von links, einen R2 (DDR), einen Wilkinson (UK), einen Schick Krona(USA) und einen einfacheren Gillette "The Knack" (USA):




Was erfahrene Hobelrasierer immer wieder mit dem Namen Gillette verbinden, ist der "Adjustable" (Einstellbar). Es gab elf verschiedene Modelle, teils vergoldet, von denen ich die zwei geläufigsten abbilden möchte. Links den Slim und rechts den Fat Boy:



Besonderheit war hier die Verstellbarkeit des Spaltes am Kopf. Je größer dieser ist, desto aggressiver wird die Rasur. So konnte sich jeder, mit einem Dreh am Einstellrad unter dem Kopf, "seinen" Rasierer zurechtstellen. Allerdings gab es teils schon früher und von anderen Herstellern, auch deutschen, einstellbare Hobel. Hier einige Modelle. Zuerst ein französischer GIBBS (links der verstellbare):



Dann Merkur Progress-Modelle aus Deutschland, deren Verstellung gleichzeitig mit dem Feststellknopf unten am Griff erfolgt. Der linke stammt von 2005, der rechte ist knapp 50 Jahre älter:
 


In Vergoldung gab es ihn auch einmal:





Ebenfalls aus Deutschland, der Apollo - Mikron. Ein feiner Hobel, der eher selten ist und oft an seinem Verstellmechanismus krankt. Funktionieren tut er wie der Merkur Progress:


Hier ein englischer Personna Precicion, fast ganz aus Messing hergestellt:




Und hier ein ERFA aus der ehemaligen DDR. Ein sehr sehr gut verarbeiteter, verstellbarer Hobel, der ähnlich wie der Merkur Progress funktioniert. Darunter ein Beiblatt zum ERFA, in dem sehr schön die Wirkungsweise seiner Verstellung illustriert wurde:





Erwähnenswert sind auch die Versuche, durch Schrägstellung oder verdrehen (Torsion) des Kopfes ein besseres schneiden des Bartes zu erzielen. Die entsprechenden Hobel heißen dann Schrägschnitt- oder Torsionshobel. Hier, oben ein Ibsen (links) und ein Merkur 37g (vergoldet) als Torsionshobel, darunter ein Mulcuto - Schrägschnitt:





Es gab auch einige Kuriositäten, wie den King Oscillator (USA), dessen Klinge sich hin und her bewegte. Oder den Golf 71 (DDR) mit unausgegorenem Klappmechanismus , bei dem man immer nur eine Seite der Klinge verwenden und dann drehen mußte. Oder den Stahly Live Blade (USA) mit mechanischer Vibration. In dieser Reihenfolge:








Hier eine Schnittzeichnung:



Daneben versuchten sich die einschneidigen Modelle durchzusetzen, was aber nicht gelang. Hier ein paar Modelle der Single-Edge-Hobel:







Hier gibt es noch mehr zum Hobel zu lesen, bitte klicken Sie hier.